Monika Röth (monika), 19.03.2005

Im Zug zwischen Leipzig und Köln

Eine neue Messe für Hörbücher? Na klar - da sind wir dabei! Aber die Messen zeitgleich anzusetzen war ja wohl ein schlechter Scherz. Denn die Hörbuchbranche zerreisst es an diesem Märzwochenende zwischen Leipzig und Köln.

Nicht nur die Hörbuch-Magazine wie Audiobooks.at müssen sich am dritten Märzwochenende entscheiden, welche der beiden Hörbuchevents sie besuchen wollen: die Audiobooks Cologne in Köln oder die ebenfalls nicht zu verachtende Hörbuchabteilung der Leipziger Buchmesse. Einige versuchen den Spagat und sitzen so wie ich die meiste Zeit im Flieger oder in der Bahn, um beiden Veranstaltungen einen Besuch abzustatten. Was bleibt ist eine Bilanz von ingesamt fünf Reisetagen und davon gerade einmal einen Tag in Leipzig und einen in Köln. Das lässt sich zwar senken, wenn man nicht gerade aus Wien anreisen muß oder wenn man Austrian Airlines und Lufthansa Wuchertickets abkauft und nicht auf die Billigtickets von Air Berlin oder Germanwings setzt. Trotzdem bleibt von den insgesamt vier Messetagen jeder Veranstaltung nur ein kleiner Teil.

Und zu sehen - Entschuldigung, zu hören - gibt es natürlich eine ganze Menge. 20 neue Verlage drängen sich am Gemeinschaftsstand auf der Leipziger Buchmesse, Veranstaltungen im ARD Hörbuchforum und im FOCUS Hörbuchcafe laufen sowieso stündlich und es zerreisst einen Hörbuchlieberhaber förmlich, was man sich zuerst ansehen sollte. Für einen Besuch der größeren Verlage, den die haben am Gemeinschaftsstand oft zwar ein Regal, das kompetente Standpersonal steht aber auf einem eigenen Stand sonstwo auf der Messe, bleibt kaum Zeit.

Auch die Verlage selbst sind in der Zwickmühle. Zwar positioniert man die Leipziger Buchmesse als Event für den Handel und die ABC in Köln für den Endverbraucher, doch welcher Buchhändler fährt extra nach Leipzig, wenn er die ABC vor der Haustür hat und wer fährt nach Köln, nur um dort die neuesten Hörbücher direkt am Stand kaufen zu dürfen. Viele Verlage versuchen den Spagat und sind da und dort vertreten. Gerade für kleine, innovative Label aber ein Ding der Unmöglichkeit: sowohl in finanzieller, als auch in personeller Hinsicht. Und die sind natürlich verärgert. Kaum jemand, der nicht ein säuerliches Gesicht gemacht hat, als er auf das Thema angesprochen wurde.

Bleibt der Konsument, für den es auf den ersten Blick zunächst ein Plus bedeutet. In vielen anderen Branchen, in denen parallele Konkurrenzveranstaltungen abgehalten wurden hat sich aber gezeigt, daß sich die Aussteller über kurz oder lang für eine Veranstaltung entscheiden. Und dem Konsumenten ist es natürlich dann auch nicht recht, wenn der Verlag, in dem sein Lieblingsautor erscheint, in diesem Jahr nicht vor Ort ist.

Liebe Veranstalter: so groß ist der deutschsprachige Hörbuchmarkt nun auch wieder nicht, als das man ihn mutwillig zerteilen muß. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl in der Zeitplanung, können sich beide Veranstaltungen sogar gegenseitig ergänzen und zu etwas größerem werden als der Summe der beiden Teile. Die ausstellenden Verlage werden es euch danken. Und die Leute, die mit mir im Zug sitzen ebenfalls.

Monika Röth (monika)
e-mail: mroeth@audiobooks.at

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