Monika Röth, 11.12.2004

Print oder Online

Beim Lesen der aktuellen Ausgabe meiner Fernsehzeitschrift, die inzwischen auch über Kino, Buch und Musik berichtet, finde ich doch tatsächlich unter den Musik CDs auch ein Hörbuch vorgestellt: HR Giger's Vampirric.

Noch während ich versuche auf dem kleinen Foto zu erkennen, welcher der vier Teile den hier vorgestellt wird - was aus dem Text überhaupt nicht zu ersehen ist - sehe ich die abschließende Bewertung: "Nur mäßig spannend!"

Nun kann man LPL records vielleicht vorwerfen, daß ihre Hörbücher nicht für jedes Alter zu empfehlen sind. Oder das manche Szenen - ich denke da an die Beschreibung einer ziemlich ekligen Untersuchung einer Leiche aus Brian Lumleys "Das Erwachen" - schon schwer schlucken lassen. Aber mäßig spannend?

Ich entschuldige den Schreiber der betreffenden Kritik beim Weiterblättern damit, daß er wahrscheinlich mit Hörbüchern nicht viel am Hut hat. Und trotzdem nagt es an mir.

Ist er doch Mitarbeiter eines Print-Produkts und hat damit einen gewaltigen Vorteil. Er wird von den Verlagen ohne langes Fragen als Journalist eingestuft und von den Presseabteilungen mit Informationen gefüttert. Als Online-Medium hat man's da schon schwerer. Es soll sogar Verlage geben, die die Unterstützung von Online-Redaktionen überhaupt eingestellt haben. Ein Glück, das die Mehrzahl der Verlage innovativ genug sind und das Internet als Marketinginstrument auch zu nutzen wissen. Um so betrüblicher, daß auch bei der ABC, dem frisch aus der Taufe gehobenen Hörbuchevent im nächsten Jahr in Köln, Mitglieder von Online-Redaktionen nur mit Vorbehalt akkreditiert werden.

Da kommt mir der Ärger wieder hoch, als während der ARD-Radionacht während Leipziger Buchmesse 2004 FAZ-Kritiker Jochen Hieber über die Hörbuchportale des Internets her zog, sich über technische Probleme zerkugelte und generell die Qualität der Rezensionen in Frage stellte.

Da frage ich mich natürlich, wo die Qualität der anfangs erwähnten Hörbuchvorstellung - eine Rezension war das ja wohl nicht - sein soll: "Stell' die CDs von diesen LPL vor, aber nicht mehr als 300 Zeichen, klar? Mehr Platz ist nicht."

Hörbücher werden doch - so die aktuellen Untersuchungen - in der Mehrzahl von einem jungen, technophilen Publikum gekauft. Für die ist ja wohl TV und das Internet die aktuelle Informationsquelle. Zeitungen, mal abgesehen vom Sportteil für die Herren und dem Fernsehprogramm, sind doch da eher zweitrangig.

In welcher Zeitung findet man, neben der Meinung der Redaktion noch die Reaktionen anderer Konsumenten, findet so einfach Querverweise auf andere Werke, Autoren, Sprecher und vieles mehr?

Die wirklich aktuellen Informationen zu Hörbüchern findet man eben im Internet, ob jetzt bei uns oder bei den Kollegen von der Hoerothek, Hörgold, dem Hörbuch-Forum oder den vielen anderen Kämpfern für unser aller liebstes Medium.

Und an dieser Stelle sei nochmals den Verlagen gedankt, die diese Arbeit auch unterstützen und uns mit dem Material füttern, das Sie liebe Leser, auf den vielen Seiten des Hörbuch-Internets zu sehen bekommen.

Und übrigens: HR Giger's Vampirric ist keineswegs mäßig spannend, sondern ein sicherer Tipp für's Weihnachtsfest.

Monika Röth
e-mail: mroeth@audiobooks.at

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