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Monika Röth (monika), 04.12.2012

Von der Schallplatte zum digitalen Audioplayer: WDR 3-Hörspielreihe zeichnet im Januar 2013 den Wandel der Tonträger nach

Vom Konzertsaal in die Westentasche, vom öffentlichen Raum ins Private, vom singulären Schallereignis zum vielfältigen, zeitlosen Massenkonsum - 2013 ist das Geburtstagsjahr der Tonkonserven: Vor 125 Jahren begann die Schallplattenproduktion mit Pressmatrizen, vor 30 Jahren wurde sie in relativ kurzer Zeit fast vollständig von der CD verdrängt.

Dazwischen liegen so wichtige technische Erfindungen wie das Tonband (vor 75 Jahren) und die Compact-Cassette (vor 50 Jahren).

Die Reihe „Tonträger“ des WDR Hörspiels präsentiert im Januar 2013Produktionen, in denen die Konserve selbst zum Gegenstand wird. In „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ zeigt Heinrich Böll, wie das Medium Tonband durch Manipulation zum neuen Sinnträger wird. In weiteren Hörspielen sind es Nachlässe von Schellackplatten oder Kassetten, die interessante Lebensgeschichten offenlegen. Ganz intensiv wurde und wird im WDR Studio Akustische Kunst mit Tonträgermaterial experimentiert. Ein Plattenteller spielt nicht nur Vinyl, und zwischen dem guten alten Eisenoxydband und den Audiodateien digitaler Festplatten eröffnen sich kreative Spielräume und neue Klangwelten.

Ein Überblick über die Hörspiele im Einzelnen:

Die Lauschangreifer

von Walter Filz
Regie: der Autor
Produktion: WDR 1997/42’

WDR 3 open: pop drei, 7. Januar 2013, Montag, 23.05 Uhr
1LIVE Plan B Soundstories, 8. Januar 2013, Dienstag, 23.00 Uhr

Zum 35. Geburtstag schenken Georgs Freunde ihm einen Karton - voller Kassetten, aufgenommen vor Jahren, in einer Zeit, als sie ihr ganzes Leben auf Tonkassetten festhielten.
Feten und Familienfeiern, Rendezvous und U-Bahnfahrten, Kneipennächte und Kiffrunden, Schulstunden und Radiosendungen. Sie sprachen Tagebuch auf Kassette, machten Kassettenbriefe und Kassettendiskussionen. Sie waren die Lauschangreifer. Das war früher. Oder? Im Karton entdeckt Georg auch neue Aufnahmen, erstaunliche Dokumente, die so manches enthalten, was besser nie ans Licht gekommen wäre …

Walter Filz, geboren 1959 in Köln, ist Hörspiel- und Featureautor. Seit 2005 leitet er die Redaktion Literatur und Feature beim SWR.

Löschband

von Christoph Martin
Musik: Christoph Martin
und Walter Quintus
Realisation: Walter Quintus
Produktion: WDR 2004/46'

WDR 3 open: Studio Akustische Kunst, 11. Januar 2013, Freitag, 23.05 Uhr

76, 38 oder 19? Das ist immer seltener die Frage. Aber einst verbargen sich hinter diesen Bandgeschwindigkeitsmaßen (Zentimeter pro Sekunde) akustische Teiluniversen. Christoph Martin feiert das Seelenamt für das aussterbende Medium Tonband.
„Löschband“ erinnert uns noch einmal an Sounds und Mythen der analogen Ära. Bevor diese Kultur der Schallaufzeichnung - fast forward - dem Löschstrom überantwortet wird, spult Martins Eisenoxid-Rhapsodie mit technischen und literarischen Texten zurück in die Zeit des Magnetismus, des Rot- und Gelbbandrauschens und der klugen Tonköpfe.

Christoph Martin, geboren 1952 in Graz, Österreich, lebt als Regisseur, Autor und Komponist seit 1986 in Traben Trarbach. Zahlreiche Hörstücke, darunter „Tunnel-Vision“ (DLR), „Eiserne Zeiten“ (SWF), „So perfect so nice“ (ABC Sydney),„Lemma“ (NCRV Hilversum) und „Die Odyssee“ (HR/BR/Eichborn).

Doktor Murkes
gesammeltes Schweigen

von Heinrich Böll
Komposition: Rolf Hans Müller
Bearbeitung und Regie: Hermann Naber
Produktion: SWF/SR 1986/51’

WDR 3 Hörspiel, 12. Januar 2013, Samstag, 15.05 Uhr

Den wortgewaltigen Essayisten Professor Bur-Malottke reut es, dass er in seinen Nachkriegsvorträgen Gott so eindeutig beim Namen genannt hat - er zieht nun eine unverbindlichere Wendung vor.
Deshalb muss der Rundfunkredakteur Dr. Murke das Wort „Gott“ aus alten Sendebändern, die wiederholt werden sollen, herausschneiden und dafür die Formel „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ einkleben. Das überflüssig gewordene Wort „Gott“ findet prompt in einem Hörspiel Verwendung, an Stellen, wo ursprünglich Schweigen vorgesehen war. Aber Schweigen ist nun mal im Rundfunk nicht so gefragt und Dr. Murke vom Kulturellen Wort findet für das Schweigen seine ganz eigene Verwendung.

Heinrich Böll (1917-1985) wurde rasch nach seinem Preis der Gruppe 47 (1951) die herausragende kritische Stimme der deutschen Nachkriegsliteratur. Er blieb zeitlebens ein engagierter Kritiker der Macht, was ihn vor allem in der Zeit des RAF-Terrorismus in die direkte Konfrontation mit dem Staat trieb. 1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.


Mingering Mike

von Steffen Irlinger
Regie: Thomas Wolfertz
Produktion: WDR 2008/53’

WDR 3 open: pop drei, 14. Januar 2013, Montag, 23.05 Uhr
1LIVE Plan B Soundstories, 15. Januar 2013, Dienstag, 23.00 Uhr

Zwischen 1968 und 1977 schrieb Mingering Mike 5 000 Songs, nahm 60 Alben auf, managte 35 eigene Labels und trat in mehreren selbst geschriebenen und produzierten Filmen auf. Warum nur hat die Welt bis heute nichts von dieser Soul-Legende gehört? Seinem Vermächtnis nach zu urteilen war Mingering Mike ein Gigant des Showbusiness. Als Dori Hadar, DJ und Privatdetektiv, auf einem Washingtoner Flohmarkt eine Kiste voller Platten von Mingering Mike entdeckt, macht er sich auf die Suche nach dem unbekannten Megastar aus den 1970ern. Und er findet einen phantasiebegabten afroamerikanischen Hilfsarbeiter, dem er den späten Ruhm verschafft, den Mingering Mike längst verdient hat.

Steffen Irlinger, geboren 1967 in Eberbach/Neckar, lebt in Köln. Er arbeitet als DJ, Autor und Music Supervisor für Film und Hörfunk und ist Mitglied des Avant-Pop-Trios „Donna Regina“. Für den WDR realisierte er zuletzt das Feature „Das Spiel denken - Fußball 3.0“ (2012).


Die 50 Skulpturen des Institut fuer Feinmotorik

vom Institut fuer Feinmotorik
Realisation: die Autoren
Produktion: SWR 2011/47’

WDR 3 open: Studio Akustische Kunst, 18. Januar 2013, Freitag, 23.05 Uhr

Karl-Sczuka-Preis 2011 für Hörspiel als Radiokunst: „,Die 50 Skulpturen des Institut fuer Feinmotorik‘ haben die diesjährige Jury durch ihre konkrete sinnliche Klanglichkeit ebenso überzeugt wie durch ihre radikale Konsequenz.“
Und weiter aus der Begründung der Jury des Karl-Sczuka-Preises: „Seit 1997 reizt das fünfköpfige Künstlerkollektiv ‚Institut fuer Feinmotorik‘ in experimentellen Performances die Möglichkeiten seiner Medien aus - in der Arbeit mit DJ-Mischpulten und präparierten Plattenspielern, auf denen nicht Schallplatten, sondern Alltagsmaterialien wie Gummibänder, Büroklammern und Klebeetiketten abgetastet werden. Aus dieser mutigen Reduktion der radiofonen Mittel entsteht ein Aggregat in Klang geformter Körper von rätselhafter Archaik.“

Das Institut fuer Feinmotorik ist ein Künstlerkollektiv, das sich 1997 gegründet hat und seither hauptsächlich im Bereich akustische Kunst/Musik tätig ist. Ihr Hauptinstrument ist das sogenannte "Octogrammoticum", ein Versuchsaufbau aus acht präparierten Plattenspielern und vier DJ-Mischpulten. Zum Institut fuer Feinmotorik gehören Mark Brüderle, Daniel van den Eijkel, Tim Elzer, Marc Matter und Florian Meyer.



Die Schellacks

von David Zane Mairowitz
Regie: der Autor
Produktion: DRS/SFB-ORB 2001/53’

WDR 3 Hörspiel, 19. Januar 2013, Samstag, 15.05 Uhr

Der Sohn besucht nach vielen Jahren seinen senilen Vater im Altersheim. Er sucht die Schellack-Platten-Sammlung, die - so vermutet der Sohn - ein Vermögen wert sein müsste.
Der Vater ist jedoch zu keiner Artikulation mehr fähig und im Elternhaus findet sich nichts mehr. Lediglich im Gartenhaus kommen unter Unmengen von Plunder ein paar bemooste, zerbrochene und mit Schnecken bevölkerte Schellack-Platten zum Vorschein.
In Rückblenden und einer inneren Stimme des Kranken wird ein Vater-Sohn-Konflikt hörbar, in dem die Schellacks eine zentrale Rolle spielen. Wir erfahren vom kümmerlichen und gescheiterten Leben eines Mannes, der eigentlich Sänger werden wollte, es aber nur zum Lastwagenfahrer brachte, von den Enttäuschungen eines Gewerkschaftsführers, der seine Familie drangsalierte und all seine Träume und Visionen schließlich im Alkohol ertränkte.
Opern, Kampflieder und Jazzeinspielungen auf alten Schellacks beschwören noch einmal den Geist jener zurückliegenden Epoche.

David Zane Mairowitz, 1943 in New York geboren, lebt seit 1966 als freier Schriftsteller in Avignon und Berlin. In den vergangenen 30 Jahren hat er als Autor von Hörspielen und Dokumentarsendungen in mehr als 20 europäischen Ländern gearbeitet und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Prix Italia, Prix Europa, Prix Futura, Prix Ostankino und dem französischen Prix SACD für sein Lebenswerk.



Boojum
von Ergo Phizmiz
Realisation: der Autor
Produktion: WDR 2013/ca. 52'

WDR 3 open: Studio Akustische Kunst, 25. Januar 2013, Freitag, 23.05 Uhr

Ein Musiker blickt zurück auf sein Leben. Das kommt vor. Ungewöhnlicher ist die posthume Perspektive auf das eigene Spätwerk. „Boojum“ - die SciFi-Memoiren des britischen Experimentalmusikers Ergo Phizmiz.
Dieser reflektierte zuletzt im Hörstück „Disappearing Boxes“ seine Vergangenheit als jugendlicher Opernkomponist. In der autobiografischen Zukunftsvision „Boojum“ beobachtet Ergo Phizmiz seine eigene weitere Karriere, aber auch die dramatische technologische und gesellschaftliche Entwicklung der Jahre 2010 bis 2043. Zentrale Quelle dieser Klang-Memoiren aus der Zukunft sind riesige Festplatten mit Audio-Daten, die nach dem Tod des Komponisten gefunden werden: Sie sind gefüllt mit Musik, die beim Hören verschwindet.

Ergo Phizmiz wurde 1980 geboren. Nach bewegter Jugend als Opernkomponist und Komiker erregten seine Audiocollagen das Interesse des BBC-DJs John Peel. Phizmiz ist Produzent experimenteller elektronischer Musik, Schriftsteller und bildender Künstler.

Das Hörspiel Boojum steht nach der Ausstrahlung auf den Hörspiel-Seiten des WDR zum Donwload bereit.

Quelle: WDR

Monika Röth (monika)
e-mail: mroeth@audiobooks.at

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Mo, 21. August 2017|21:41 MEZ|Update vor 21 Std.


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